Er kegelt gegen das schlechte Image

Bericht aus dem Seetaler Bote Nr. 40, Donnerstag, 05. Oktober 2017

HOCHDORF Aus der Mode gekommen und mit Mitgliederschwund: Um das Ansehen des Kegelsports steht es nicht zum Besten. Ein junger Hochdorfer kämpft gegen die Vorurteile an.

von Jonathan Furrer

Marius Langenegger sammelt fleissig Karten. Was bei anderen Sportarten eine Verwarnung nach einem Regelverstoss bedeutet, ist beim Kegeln erwünscht. Eine Kranzkarte bekommt nämlich nur, wer besonders hohe Resultate erzielt. So gelten sie einerseits als Anerkennung einer Medaille ähnlich, anderseits besitzen sie auch einen finanziellen Gegenwert von zehn Franken. Für «Kartensammler» Langenegger zahlten sich die guten Resultate aus: Beim Kauf seines Autos konnte er, dank seinen vielen erkegelten Auszeichnungen, 1000 Franken anzahlen. Wie er erzählt, kennt er gar einen Top-Kegler, der sein ganzes Auto ausschliesslich mit den Kranzkarten finanzierte.

Image entstauben

Ältere Herren in stickigen Kellerbeizen, welche gelegentlich eine Kugel über die Bahn schieben, um sich danach wieder gemütlich Bier und Stumpen zuzuwenden. Dieses verstaubte Bild geistert wohl in manchem Kopf beim Stichwort Kegeln umher. «Das stimmt heutzutage überhaupt nicht mehr», fi ndet der 28-Jährige Auf den Bahnen herrsche bei Verbandsmeisterschaften Rauchverbot und getrunken werde zumindest bei Wettkämpfen kaum noch. «Das liegt nicht drin», so der lizenzierte Kegler. «Es braucht absolute Konzentration und eine perfekte Körperhaltung, um gute Resultate kegeln zu können. Dieser Ruf ist veraltet und betraf vor allem Hobbykegler, die nicht in einem Verband organisiert waren.»

Früher, das war wohl, als das Kegeln noch ein richtiger Volkssport war. Die Mitgliederzahlen der Schweizerischen Freien Kegler-Vereinigung (SFKV) sind in den vergangenen 30 Jahren von 7000 auf unter 2300 geschrumpft. Marius Langenegger ist bemüht, seine Leidenschaft in einem gutem Licht erscheinen zu lassen, er ist ein idealer Botschafter für den Kegelsport: Motiviert, technisch beschlagen und vor allem: Jugendlich. Zwar betont er, nicht der Jüngste seines Unterverbandes Seetal-Habsburg zu sein, trotzdem ist er als unter Dreissigjähriger die ganz grosse Ausnahme. «Der Durchschnitt liegt wohl bei ungefähr 60 Jahren». Der Altersunterschied mache ihm aber überhaupt nichts aus. Im Gegenteil: «Die Kegler sind sehr zugänglich, helfen mit Tipps und viele wissen immer wieder gute Anekdoten zu erzählen. Man hat viel Spass.»

«Es reizt mich, die Würfe zu perfektionieren.»Marius Langenegger

Um zu zeigen, wie professionell sich ein ambitionierter Kegler wie er sich auf einen Wettkampf vorbereitet, zeigt der Hochdorfer gerne einen Ordner. Hier sind sämtliche Bahnen, auf denen er bereits kegelte – es sind Dutzende – fein säuberlich in Papierform abgelegt. Aufgeführt sind Fussstellung, Hand-Drehtechnik, Kurvenverlauf oder das optimale Tempo der Kugel. Dieses ist mit rund 12 Kilometern pro Stunde – übrigens gemächlicher als im Bowling. Hier sind es bis zu 20 km/h.

Kranzlos zufrieden

Für einen ambitionierten Kegler wie Marius Langenegger sind die Trainings und Wettkämpfe, an welchem sein Stammklub teilnimmt zu wenig. So steht er im Jahr über sechzigmal auf einer Bahn und kegelte 2017 die Meisterschaften in allen vier Luzerner Unterverbänden: Seetal-Habsburg, Entlebuch, Luzern Stadt und Willisau-Sursee. Wobei er sich schon etliche Male in der Elite-Kategorie in die Top 10 kegelte, in der Spezial-Kategorie «Sport» erreichte er einen zweiten Platz.

Entsprechend motiviert startete der Jungkegler in die Wettkämpfe der Schweizermeisterschaft, welche während sechs Wochen (noch bis zum 7. Oktober) in der Luzerner Kegelsporthalle stattfinden Eine Kranzauszeichnung war das Ziel des Hochdorfers. Dazu hat es zwar in der Hauptdisziplin nicht gereicht, der Blick auf die Rangliste macht ihn aber trotzdem stolz: Derzeit belegt er in der Disziplin «Sport» den 10. Rang von 300 Elitekeglern. Allerdings haben noch nicht ganz alle Kegler am Wettkampf teilgenommen.

Dass es noch nicht nach ganz vorne reicht, schreibt er seiner fehlenden Routine zu. «Die Kegler an der Spitze sind alle schon 20 bis 30 Jahre länger dabei.» Eine Kugel in 40 Minuten hundertmal genau gleich zu werfen, dass bedeute viel Training. «Daran arbeite ich, ich muss noch mehr Ruhe reinbringen.» Dabei habe er schon grosse Fortschritte gemacht. «Kegeln erfordert höchste Konzentration, das hilft mir auch im Alltag», ist er überzeugt. Insbesondere bei seinem anderen grossen Hobby, dem Comiczeichnen, komme diese Eigenschaft zum Tragen.

Der Reiz der Perfektion

Mit dem Kegelsport kam Klein-Marius schon früh in Kontakt. «Mein Vater, selbst ein begeisterter Kegler, brachte immer das Standblatt mit nach Hause. Das faszinierte mich. Ich sagte mir: Sowas will ich auch mal – vielleicht mit noch besseren Ergebnissen», erzählt er lachend. Erstmals unter Wettkampfbedingungen auf einer Kegelbahn stand er vor sechs Jahren. Der gelernte Hochbauzeichner stieg zunächst als Gastkegler beim SFKV-Unterverband Seetal-Habsburg ein. Jenem Unterverband also, dem auch seine Eltern angehören. Nach einem Jahr löste er die Lizenz, trat dem «Kegelklub Seetal» in Gelfingen bei. Gleich im zweiten Jahr seiner Mitgliedschaft gewann er die Kategorie C-Meisterschaft und stieg in die Kategorie B auf. Hier kegelte er ebenso nur für ein Jahr, seit 2014 gehört er der Elitekategorie des Unterverbands an. In der Kategorie A triff t er nun auf die Kegelelite und zählt bei den Topkeglern zu den 40 Prozent der Keglerinnen und Kegler mit den besten Resultaten. «Es war ein riesiger Ansporn zu erfahren, dass ich mit den Besten mithalten kann. Es reizt mich, immer weiter zu kommen und den Ablauf und die Wurftechnik zu Perfektionieren.»

Langenegger ist nicht nur begeisterter Kegler, er setzt sich auch hinter der Bahn aktiv für den Sport ein. So ist er seit zwei Jahren im Vorstand des Unterverbands, betreut den Internetauftritt und erstellt die neusten Ranglisten. Ein Grund, sich so stark für den Kegelsport einzusetzen, ist für ihn die «gute Kameradschaft und Geselligkeit». Sie wird bei den Keglern traditionell gross geschrieben. Darum darf es dann nach dem Wettkampf schon mal ein Bierchen sein. Und um sein Können noch mehr zu Steigern und regelmässig «Babeli» zu werfen, also alle Kegel abzuräumen, bleiben ihm, dank seinem jugendlichen Kegelalter, ja noch ein paar Jahre.

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